Da bin ich mal wieder

Erst einmal: tut mir sehr leid, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen.

Irgendwie fällt mir das mit dem regelmäßig posten doch schwerer als gedacht.

Immernoch prasseln jeden Tag neue Eindrücke auf mich herab, und natürlich versuche ich so viel Seoul-Sightseeing (sowohl die großen Sehenswürdigkeiten als auch die kleinen Gassen und Geschäfte) in meine doch recht eingeschränkte Freizeit hineinzuquetschen wie es geht.

Da ja seit dem letzten Post schon einige Zeit vergangen ist, dachte ich mir, dass ich von meinen bisherigen Erfahrungen am Besten chronologisch berichte, so gut es eben geht.

Montag, 02.08.:

Der erste Tag in meiner ersten Woche in Seoul ging schon recht turbolent los. Nachdem ich zunächst einmal erfolgreich mich zu meinem Büro durchgeschlagen hatte (immerhin eine Stunde Fahrzeit mit der total überfüllten U-Bahn [so wie eigentlich jeden Morgen zwischen 8 und 10] und insgesamt 3-mal Umsteigen), stellte ich mich dort erst einmal vor. Natürlich war mein Boss, dem ich kurz vor meinem Abflug Bescheid gegeben hatte, krank und hatte auch keinen informiert, dass ich denn dann auch tatsächlich am Montag ankommen würde. Das hieß also, keiner wusste so richtig, was man mit mir anfangen sollte. Zunächst wurde ich erst einmal den Kollegen vorgestellt und herumgeführt, außerdem fing man an, Dinge wie zum Beispiel einen Computer und einen Firmenausweis für mich zu organisieren. (ist ja nicht so, als hätte man diese Sachen für mich nicht eh gebraucht und man hätte sich nicht schon den Freitag vorbereiten können, aber wir sind ja jetzt in Asien, da ticken die Uhren manchmal ein wenig anders)

Nachdem man mir also alles gezeigt hatte, geklärt hatte was ich alles noch brauchen würde und mich zum Mittagessen mitgenommen hatte, saß ich also den Rest des Tages ziemlich blöd rum. Ich war natürlich auch zu genau dem richtigen Zeitpunkt gekommen, dem Monatsabschluss, und es hatte keiner Zeit, sich um mich zu kümmern (nicht dass das mittlerweile sich irgendwie geändert hat, Controlling besteht meiner Erfahrung nach bisher hauptsächlich aus Deadlines und Excel-Tabellen-Schieberei). Da ich allerdings an diesem Tag auch noch einen weiteren wichtigen Termin hatte, nämlich meine Miete bei meinem Vermieter abzuliefern (ihr erinnert euch sicherlich, dass das mit dem Überweisen bisher nicht so erfolgreich gewesen war), konnte ich dann bereits auch schon wieder relativ früh gehen.

Der Weg dorthin war allerdings mehr als abenteuerlich. Wie ihr ja sicher schon in meinen vorherigen EInträgen lesen konntet, liebe ich die Seouler U-Bahn. Aus gutem Grund, den Bus fahren in dieser Stadt ist mehr als nur aufregend. Es gibt nirgendwo einen Plan, auf der alle Buslinien verzeichnet sind, da es einfach zu viele gibt und an den Bushaltestellen werden zwar die Haltestellen der jeweiligen Buslinie angegeben, aber leider werden höchstens die großen Stationen wie zum Beispiel Seoul Station in lateinischen Buchstaben angegeben. Wenn man ganz viel Pech hat, nicht einmal das. Außerdem ist es oft so, dass der rote Punkt, der den Standort markiert hat, bereits von irgendwem abgemacht wurde oder einfach mit der Zeit abgegangen ist. Hat man dann trotzdem sich in einen Bus gewagt heißt es sich auf die nächste Festhaltemöglichkeit stürzen und nicht wieder losmachen, denn Busfahrer sind nach den Taxifahrern die schlimmsten Kraftfahrer hier in der Stadt. Ständig wird abrupt abgebremst und im nächsten Augenblick wieder voll Gas gegeben und Verkehrsregeln sind eher Leitfäden als Gesetze, wie mir scheint.

Doch zurück zu meiner kleinen Odysee. Ich hatte mir zuvor die nächste Haltestelle rausgesucht, um zu meinem Vermieter zu kommen und stand dann doch etwa 5 Minuten irgendwie ziemlich ratlos vor einem der Stadtpläne, ohne wirklich weiterzukommen. Ich sah anscheinend so verzweifelt aus, dass sich dann ein junger Mann erbarmt hat und mich fragte, wo ich denn hin wolle. Ich zeigte ihm also die Adresse, die ich intelligenter Weise mitgenommen hatte und da er selbst ein wenig ratlos war, brachte er mich dann am Ende sogar bis vor die Bürotür. (Wofür ich übrigens sehr dankbar war, denn von außen sah das Gebäude ziemlich verschlossen aus und man musste von der Seite aus durch die Garage zum Fahrstuhl, wäre ich alleine nie drauf gekommen) Ja, Koreaner sind wirklich sehr freundlich.

Endlich konnte ich dann also meine Miete bezahlen und hatte also meinen Schlafplatz für den nächsten Monat sicher. 🙂

Dienstag, 03.09.

Nachdem ich also den Montag ein wenig orientierungslos durch Seoul gelaufen war, hatte ich mich am nächsten Tag entschlossen, mich ein wenig in meiner direkten Nachbarschaft umzusehen. Es gibt ein Dunkin Donuts, einen Supermarkt, einen 24 Stunden geöffneten Laden, der diverse Lebensmittel und Getränke anbietet, ein paar Friseure und unzählige kleine Läden, die Essen oder Klamotten anbieten. Für Seoul heißt das: wir befinden uns hier in einem kleinen, unbedeutenen und etwas ärmlicheren Viertel. Zu meiner Freude entdeckte ich allerdings gleichzeitig, dass sich, wenn man die Straße von meinem Apartementgebäude hinunterläuft, ein kleiner Fluss befindet, auf dessen einer Uferseite sich Radfahrer, und auf der anderen Uferseite Fußgänger aufhalten dürfen.

Da ich mir mittlerweile ein wenig Sorgen um meine Pölsterchen and den Seiten machte, mit den ganzen Nudeln, Reis und Fleisch und so, entschloss ich mich, die Strecke dann auch gleich einmal mit meinen Laufschuhen zu ergründen. Wie ich feststellen konnte, eignet sich die Strecke hervorragend zum Laufen (wenn man keine Lust mehr hat, kann man einfach wieder umdrehen und abends ist es wegen des Wassers angenehm kühl), allerdings scheine nicht nur ich das Flüsschen für solche Zwecke zu mögen. Es kommen einem unzählige Leute entgegen, die entweder einen Spaziergang machen. walken oder sich einfach ans Flussufer setzen und plaudern. Außerdem scheint es ein sehr beliebter Ort für Päärchen zu sein, um Händchen zu halten.

Mittwoch, 04.09.

Am Mittwoch hatten meine Mädels aus meinem Apartement eine kleine Willkommensfeier organisiert. Es gab sehr leckeres Hähnchen und eines der Mädchen, Jen, hatte sogar ein Gericht mit Reis, Thunfisch und allerlei anderen Dingen gezaubert.

WG-Party 2

Außerdem durfte ich koreanisches Bier (ganz ok, aber deutsches ist mir lieber) und Soju probieren. Soju ist ein traditionelles koreanisches Getränk aus Reis, Weizen und Gerste und enthält zwischen 16 und 45% Alkohol. Man kann es am besten mit Vodka vergleichen und da es ziemlich billig ist (1 bis 3 Euro die 375 ml Flasche) gehört es hier zu den beliebtesten alkoholischen Getränken in Korea. Um ehrlich zu sein, mir schmeckt es nicht so wirklich, da es nicht sehr süß ist, aber wenn man eines machen muss, wenn man in Korea ist, ist das Soju probieren.
soju

Donnerstag, 05.09.

Am nächsten Tag ging es dann auch gleich weiter mit den traditionellen koreanischen Gepflogenheiten. Nachdem bisher auf der Arbeit nichts wirklich spannendes passiert war, stand an diesem Tag für das Mittagessen ausnahmsweise (wahrscheinlich extra für mich und meine anderen ausländischen Kollegen) Bibimbap auf dem Speiseplan.. äh, auf der Karte.

Bibimbap ist ebenfalls ein original koreanisches Gericht und heißt eigentlich so etwas wie „gemischter Reis“. Dafür wird Reis in eine warme Schüssel gefüllt, ein wenig Brühe dazugegeben und das Ganze mit verschiedensten Gemüsesorten bedeckt. Häufig wird ein (entweder rohes,gekochtes oder gebratenes) Ei und Fleisch (meist RInd) dazugeben. Außerdem wird eine Chilipaste dazugereicht, mit der man nach Belieben würzen kann.

Bibimbap

WIe eigentlich immer in koreanischen Restaurents gab es dazu dann noch eine Suppe, eingelegtes Relish (meist recht scharf), Sojasprossen, und natürlich Kimchi, das Nationalgericht Koreas, ohne das geht wirklich gar nichts.

Traditional Sidedishes

Samstag, 07.09.

Nachdem am Freitag nichts wirklich Spannendes passiert ist, und ich mich hauptsächlich von der doch recht anstrenden Woche erholt hatte, mache ich dann gleich mal mit dem Samstag weiter.

Samstag hatte ich mir das Viertel Itaewon vorgenommen, das „Ausländerviertel“ von Seoul. Bedingt dadurch, dass dort der große US-Army Stützpunkt lokalisiert ist und dazu noch eine sehr große Auswahl an internationalen Restaurants und dem Hilton Hotel fühlen sich viele Ausländer recht wohl in diesem Viertel. Dies wurde vor allem ab 1988 durch die Olympischen Spiele begünstigt, als mehr als 2000 Geschäfte sich vor allem den Bedürfnissen der Touristen widmeten

Außerdem ist hier eines der etwa 3 Viertel, in den das Nachtleben tobt. Zudem ist hier der einzige Ort, an dem es neben dem im Volksmund als Hooker-Hill (zu deutsch etwa Huren-Hügel) bekannten Hügel auch den sogenannten  Homo-Hill gibt (dazu muss man wissen, dass Homosexualität in Korea ein absolutes Tabuthema ist und Homosexuelle konsequent aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden).

Ich persönlich muss sagen, dass ich ungern wieder alleine dort hingehen werde. Da die Koreaner alle sehr zurückhaltend und höflich sind, war es dann eine doch eher unangenehme Überraschung, als mich ein mindestens 50 jähriger Ausländer zunächst fragte, ob ich den Englisch sprechen würde und wo ich denn her käme (was ja noch ganz nett war), und mich gleich darauf erst auf einen Kaffee und dann auf sein Zimmer einlud. Nachdem ich doch ein wenig verdattert vehemend ablehnte, hatte der Kerl doch ehrlich die Dreistigkeit zu erwidern „ist ja nur für eine halbe Stunde oder so“. Ich musste ihn erst mit deutlichen Worten und einem doch recht energischem Auftreten klarmachen, dass ich kein Interesse an seinem Angebot hatte.

Nachdem mich dann der nächste Kerl (ebenfalls offentsichtlich ein Ausländer) auf einen Kaffee einladen wollte, floh ich dann mehr oder weniger eilig aus dem Viertel und beendete für diesen Tag meine Sightseeing-Tour.

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Arbeit, Arbeit, Arbeit

So, nach mittlerweile anderthalb Wochen als neue Praktikantin von Audi Volkswagen Korea Limited (auch AVK abgekürzt), dachte ich mir, das ich ein wenig von meiner Arbeit erzähle.

Das Büro der Firma liegt in dem Stadtteil Gangnam-gu, dem Luxusviertel von Seoul (und wenn ich sage Luxus, dann meine ich Luxus, Läden von Louis Vuitton, Cartier, dem COEX Convention & Exhibition Center-Korean World Trade Center complex uvm), in dem auch sehr viele internationale Unternehmen ihre Büros haben. Das heißt, ich muss morgens und abends immer über den großen Fluss, den Hangdan.

Hier einmal auf einer Karte, wo das Ganze sich in Seoul befindet (zur Info, ich wohne im Norden, etwa bei dem roten Pfeil).

Seoul_Gangnam-gu

Das andere Bild zeigt das Bürogebäude, unsere Etage ist die Nummer 5.

Office building

Meine Kollegen sind alle sehr nett. Wir sind ca 25 Leute auf unserer Etage, die sich vor allem aus Personal-, Buchhaltungs-, IT- und Controlling-Abteilung zusammensetzt, außerdem sitzt noch die CFO (ja, eine Frau) in ihrem Büro gleich nebenan. Es gibt außerdem noch 2 weitere Etagen, die jeweils von Audi und von Volkswagen besetzt werden, dort war ich allerdings bisher nur einmal kurz und hab noch nicht so viel gesehen.

Insgesamt ist der Anteil der Deutschen vor Ort etwa bei 20%, deutsch sprechen können allerdings auch einige der Koreaner, weil sie zum Beispiel in Deutschland aufgewachsen sind o.ä. Die meisten der „Ausländer“ sind gerade mal ein paar Monate da, einer jedoch auch schon fast 3 Jahre. Der Rest der Angestellten sind Koreaner, dementsprechend ist die „Flursprache“ auch immer noch koreanisch. Das Englisch der meisten ist ganz ok, wenn auch die Aussprache und die Betonung einiger Worte manchmal für einige Verwirrung sorgt. 🙂

Meine Abteilung, das Controlling, setzt sich inklusive mir aus genau 4 Leuten zusammen. Einmal ist da Rahul, mein direkter Boss, ein kleiner Inder wie er im Buche steht und sehr nett und hilfsbereit, aber auch immer sehr beschäftigt. Außerdem sind da noch Kelly und Youju, beides Koreanerinnen, ebenfalls super lieb und die ständig auf koreanisch am erzählen. Beide sind ca in den Dreißigern und haben jeweils eine Tochter im Kleinkindalter.

Die Arbeitszeiten sind ein wenig gewöhnungsbedürftig. Man fängt relativ spät an, um 9 Uhr, geht um 12 Uhr für eine Stunde zur Mittagspause (bisher haben mich netterweise immer irgendwelche Kollegen mitgeschleppt, aber so lerne ich zumindest auch mal die koreanische Küche kennen und es wird viel erzählt und erklärt). Feierabend ist allerdings ganz regulär erst um 6 Uhr abends, und gerade meine drei machen wohl recht viele Überstunden, die hier wohl nicht bezahlt werden.

Da ich für meinen Arbeitsweg jeweils eine knappe Stunde brauche (in absolut vollen U-Bahnen; echt nicht so lustig, wie es klingt), heißt das, dass ich morgens um 8 aus dem Haus gehe und abends frühestens um 7 (eher 8 oder halb 9, wenn ich noch etwas besorgen musste) wieder in meiner WG eintrudele. Ich muss sagen, das ist eine Sache, an die man sich erst einmal gewöhnen muss (wenn man das denn überhaupt tut ;-))

Bisher muss ich sagen bin ich arbeitstechnisch (leider) noch nicht so wirklich ausgelastet. Meine drei Controlling-Leute sind immer schwer am arbeiten und müssen sich an irgendwelche Deadlines halten oder in Meetings mit der CFO, da bleibt bisher noch nicht allzu viel Zeit mich mit Aufgaben oder Infos für gestellte Aufgaben zu versorgen. Das heißt, im Moment sitze ich wirklich noch ziemlich viel rum und langweile mich. Bisher habe ich größtenteils irgendwelche Excel-Listen aus anderen Excel-Listen zusammengebastelt und Powerpoint-Präsentationen erstellt.

Sonntag, first day of the beginning

Nachdem ich mich nach den Strapazen der Anreise erst einmal gründlich ausgeschlafen hatte, ging er auch schon los, mein erster Tag in Seoul. Das Schöne an Asien ist, da es kein christlich geprägtes Land ist, sind die meisten Geschäfte auch am Sonntag auf. Nur die Banken und Behörden sind an diesem Wochentag geschlossen.

Für mich wurde es also Zeit, sich endlich um genügend Bargeld, Essen und all die Dinge zu kümmern, die bei 30 kg Maximalgewicht leider meinen Schuhen weichen mussten, als ich meinen Koffer gepackt hatte. Außerdem habe ich mir eine sogenannte T-Money Card besorgt. Mit der kann man bargeldlos die öffentlichen Verkehrsmittel bezahlen und kriegt dabei sogar jedes Mal sozusagen 100 Won geschenkt. Außerdem akzeptieren einige Geschäftsketten die Karte als Zahlungsmittel und für manche Kulturangebote wie zum Beispiel Museen gibt es ein paar Prozent Rabatt auf die Eintrittspreise.

Tja, aber nun erst einmal zu meinem ersten Eindruck von Südkorea:

Ingesamt gesehen muss ich sagen, dass es, wenn man sich erst einmal halbwegs daran gewöhnt hat, das hier unheimlich viele Leute in einer Stadt wohnen, eigentlich gar nicht so schlecht ist. Es ist bei weitem nicht so chaotisch, wie ich erwartet hatte, was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass die Koreaner ein sehr rücksichtsvolles (zumindest so lange sie nicht in einem Auto sitzen) und freundliches Volk sind.

Außerdem besitzt hier jeder, und damit meine ich wirklich jeder der nicht jenseits der 60 ist, ein Handy, was auch immer und überall benutzt wird. Sei es jetzt zum Spielen, chatten, telefonieren oder im Internet surfen (dazu muss gesagt werden: in der U-Bahn gibt es ein offenes Hotspotnetz, man ist also nirgendswo so gut erreichbar wie in der U-Bahn).

Zudem ist es insgesamt gesehen wirklich sehr sauber, zumindest in den „Hauptverkehrszonen“, in denen sich viele Leute bewegen. Sobald man aber in kleine Seitenstraßen abbiegt oder rin etwas entlegendere Ecken gerät, ist es zwar nicht dreckig, aber es stehen immer mehr Müllsäcke und Abfall herum (immerhin noch in Säcken und nicht einfach so auf der Straße verteilt, aber naja).

Das Einzige, was mich als Europäerin echt teilweise stört, dass man in manchen Ecken das Abwasser riechen kann. Außerdem kommt vor allem von dem einem oder anderem Essenstand am Straßenrand doch recht penetrante Gerüche nach Fisch oder etwas anderem, meist undefinierbaren.

Diese Essensstände (und nein, sie riechen nicht alle schlimm, im Gegenteil, manche verführen einen fast dazu, mal stehenzubleiben und zumindest zu gucken, was sie gerade anbieten) sowie unzählige kleine Restaurants, die meistens nur eine ganz bestimmte Art von Gerichten anbieten (ich habe zum Beispiel einen Laden gesehen, der ausschließlich Waffeln in verschiedenen Variationen verkauft) gibt es wirklich überall, in den verschiedensten Farben, Formen und Größen und in einer Anzahl, dass einem davon schon fast schwindelig werden kann.

Überhaupt ist hier in Seoul das Angebot an Geschäften und Restaurants ziemlich überwältigend (zumal ich mir noch nicht einmal bei der Hälfte sicher bin, was die dort eigentlich gerade verkaufen). Meistens kann man sich gar nicht entscheiden, wo man als erstes hin möchte, um sich alles anzusehen. Was außerdem auffällt ist die Tatsache, dass vor allem die Restaurantketten wie Starbucks, Baskin Robins, Paris Baguette, Olive Young usw wirklich an jeder Straßenecke zu finden sind. Man muss meistens noch nicht einmal 10 Minuten laufen, um schon wieder den nächsten Laden der jeweiligen Kette zu sehen.

Ansonsten ist im Moment eigentlich am anstrengensten (und oft auch am frustrierensten [schreibt man das tatsächlich so?]), dass ich leider kein koreanisch sprechen kann. Ich arbeite abends immer recht lang (dazu aber erst später mehr) und da habe ich weder die Zeit noch die Energie, mich groß in die Sprache zu knien, um mehr als Hallo und Auf Wiedersehen sagen zu können.

Immerhin fange ich langsam an, Hanguel, das koreanische Alphabet zu lernen. Es besteht insgesamt aus 10 Vokalen und 14 Konsonanten und ist eigentlich recht logisch aufgebaut. Richtig schwierig wird es erst, wenn es dann an die richtige Aussprache geht, und, wie Inga mir berichtete, wenn man das Ganze wieder in lateinischen Buchstaben aufschreiben möchte.

Für die, die es interessiert, hier einmal ein Überblick über die Buchstaben:

Hanguel

Endlich angekommen – Teil 3 oder auch: meine ersten Stunden in Seoul

Leider hat das mit dem gleich im Anschluss den letzten Teil posten nicht so gut geklappt, ich war leider einfach zu müde. Dafür aber jetzt mein Bericht über meinen ersten Tag in Seoul, nämlich der Weg zu meiner WG, und die WG selbst.

Zunächst muss ich einmal sagen, dass ich ein absoluter Fan der U-Bahn in Seoul bin. Ich bin eigentlich schon immer gerne U-Bahn gefahren, ob jetzt in London oder Paris, aber hier ist das Netz einfach noch mal wesentlich größer, da in Seoul nun einmal etwa 10 Millionen Menschen leben, der Verkehr auf den Straßen einfach viel zu voll mit Autos ist und man, gerade wenn man über den Hangang muss, dem großen Fluss der Seoul in 2 Teile teilt, nicht auf einer der Brücken feststecken möchte.

Die U-Bahnen verkehren von 5:30 Uhr morgens bis 23:30, üblicherweise im Abstand von vier bis sechs Minuten, zu Hauptverkehrszeiten sogar alle drei bis vier Minuten (trotzdem ist es sehr voll!). Die U-Bahn wird täglich von bis zu drei Millionen Menschen benutzt. Die ersten 10 Kilometer kosten genau 1.150 Won, was etwa 0,80€ sind und damit ziemlich billig, und jeder weiterer Kilometer dann noch mal extra 100 Won.

Aber zurück zu meiner Ankunft.

Wie ich ja schon berichtet habe, bin ich am Incheon International Airport angekommen. Um nach Seoul selbst zu kommen, hat man mehrere Möglichkeiten: Taxi (recht teuer), die Express-Linie der U-Bahn (ein wenig teurer als die normale U-Bahn, dafür aber wesentlich schneller, etwa 50 Minuten zur Seoul Station, einer der zentralen U-Bahn-Stationen) oder die ganz normale U-Bahn Strecke, auch Airport Railroad genannt. Da ich mir nicht ganz sicher war, wann ich das nächste Mal an Bargeld kommen würde, hatte ich mich für letzteres entschieden.

Meine Kontaktperson, Jina Kim, aus dem Büro für die Verwaltung des Apartments hatte mir im Vorfeld gott sei dank schon beschrieben, wie ich in etwa hinkomme und versprochen, mich an der U-Bahn-Station vor Ort abzuholen.

Um euch das Ausmaß der Seouler U-Bahn einmal vor Augen zu führen, hier einmal eine Karte der ganzen Strecken. Es gibt 9 farblich markierte Linien, plus 8 weitere Linien, die meistens Expresslinien zwischen verschiedenen Knotenpunkten der Stadt darstellen und daher auch etwas teurer sind.

Seoul Subway Map

Für meinen Weg zum Apartement, das übrigens folgende Adresse hat: 101 dong 801, hastory, 37, inchon-ro 2-gil, seoungbuk-gu, seoul bin ich dann vom Incheon International Airport mit der Airport Railroad bis zur Station Geongdeok gefahren, wo ich dann umgestiegen bin in die Linie 6, um dann nach Norden bis zur Station Bomun zu fahren. Das ganze hat etwa 1 3/4 Stunde gedauert.

Dort bin ich dann, nachdem mir einer der U-Bahn-Angestellten freundlicherweise beim Umsteigen mit meinem Koffer geholfen hatte, aus dem Ausgang Nummer 5 (sehr wichtig, wenn du dich nach einer Fahrt irgendwo an der Oberfläche wieder orientieren musst!) in dem Viertel ausgestiegen, in dem ich die nächsten 2 Monate verbringen werde. Dabei bin ich dann auch gleich Jina in die Arme gelaufen, die schon seit fast einer Stunde auf mich gewartet hatte, da sie mir im Laufe des Tages eine Email mit einer geänderten Zeit geschickt hatte, die ich natürlich unterwegs nicht erhalten hatte.

Wie auch immer, von der U-Bahn-Station ging es dann auch gleich zu dem Haus, in dem sich unser Apartement befindet. Es ist recht hoch mit etwa 15 Etagen und unsere Wohnung befindet sich im 8 Stock. Gott sei dank gibt es einen Fahrstuhl und den Eingang bewacht 24 Stunden am Tag ein Wächter. Außerdem ist es echt sehr modern eingerichtet, ich brauche nirgendwo einen Schlüssel, da ich überall über Zahlencodes auf Touchpads hineinkomme.

Das Ganze liegt im Stadtteil (wie man auch schon an der Adresse sehen kann) Seongbuk-gu, in einem der etwas nördlicheren der 25 Seouler Stadtteile.

Das Apartement selbst hat bestimmt etwa 90 Quadratmeter. Es gibt einen Eingangsflur, wo jeder seine Schuhe auszieht, eine große gemeinschaftliche Wohn- Essküche, 2 Einzelzimmer mit etwa 10 qm, ein Dreierzimmer mit angeschlossenen Badezimmer und 1 Zweierzimmer, in dem ich mit einer Chinesin namens Brenda wohne, sowie ein weiteres Badezimmer.

Hier ein paar Fotos von meinem Zimmer und den Gemeinschaftszimmern:

Meine Mitbewohnerinnen (ja, wir sind tatsächlich alles nur Mädels, so die Vorgaben vom Vermieter) sind wie folgt:

  • Brenda, meine Mitbewohnerin, aus China (koreanisch lernen)
  • Subin, Einzelzimmer, aus Korea (Masterstudim in environment policy)
  • Jecelyn, Einzelzimmer, aus Malaysia (koreanisch lernen)
  • Jen, Dreierzimmer, aus Korea (Studium im Fach food nutrient)
  • Claire, Dreierzimmer, aus Korea (Masterstudium in international relationships)

Sie sind alle sehr nett, auch wenn sie sich meistens auf koreanisch oder chinesisch unterhalten und ich eigentlich nichts verstehen. Wenn sie mit mir reden, sprechen sie aber englisch.

Und das war es auch schon wieder für heute, ich muss morgen wieder früh raus. Ich verspreche aber zu versuchen, wieder etwas regelmäßiger zu posten.

Endlich angekommen – Teil 2

Wo war ich gestern stehengeblieben?

Ach ja, ich denke auf dem Flug von Düsseldorf nach Abu Dhabi.

Tja, in Dubai gelandet, gab es erst einmal Action pur für mich. Da ja durch die Verspätung meine Umsteigzeit auf etwa 45 Minuten geschrumpft war, wurde es etwas „turbolent“ für mich.

Der Flughafen von Abu Dhabi gehört leider nicht zu einem der super ausgeschilderten öffentlichen Orten und die Distanz von meinem Gate bei der Ankunft und meinem Gate für den Abflug warleider nur zu bewältigen durch ewig lange und verzweigte Gänge.

Nach etwa der Hälfte der Strecke fiel mir dann auch noch auf, dass ich meine Jacke im Flugzeug vergessen hatte, da die nur noch in einem anderen Fach als mein Rucksack Platz gefunden hatte.

Bis ich also die Strecke zurückgesprintet war, meinen Rucksack wieder hatte und schließlich bei meinem Abfluggate keuchend angekommen war, war ich dann auch tatsächlich die vorletzte Passagierin, die fehlte (aber noch pünktlich vor der Abflugszeit, jaa!!!).

Im Flugzeug selbst angekommen hatte ich dann irgendwie fast das Gefühl, die hätten sich einen Spaß gemacht und mich nur einmal im Kreis durch den Flughafen gescheucht, da es der gleiche Typ etwa in der gleichen Größe war und ziemlich genauso aussah wie das, aus dem ich gerade erst ausgestiegen war.

Der einzige Unterschied war, dass sie gerade dabei waren, das komplette Flugzeug einzunebeln (ich denke mal mit frischer Luft oder Sauerstoff oder so). Das Ganze sah irgendwie ziemlich abgefahren aus, fast wie in einem Film. Außerdem wurde der Araber-Anteil der Passagiere einfach mit Asiaten ersetzt (sie sahen anders aus als ich und wenn sie sich unterhalten haben, habe ich kein Wort verstanden, man sieht also, der Unterschied war jetzt nicht so groß).

Auf diesem Flug hatte ich dann nach einem Frühstück, dass aus einer Instant-Nudelsuppe und einem Frühstücksburrito (oder so ähnlich) bestand dann auch mein erstes traditionelles koreanisches Essen. Es nennt sich Congee und ist gekochter Reis (mit einer sehr weichen Konsistenz) und wurde mit Hühnchen, Frühlingszwiebeln und Sojasauce serviert. Hier einmal ein Foto:

Congee mit Hähnchen und Frühlingszwiebeln. außerdem Früchte, Fruchtjoghurt und einem Muffin

Congee mit Hähnchen und Frühlingszwiebeln. außerdem Früchte, Fruchtjoghurt und einem Muffin

Das Ganze hat eigentlich gar nicht so schlecht geschmeckt und war durch die Sojasauce fast ein wenig süßlich.

Ansonsten war der Flug eigentlich wenig ereignisreich und um etwa 9:30 Uhr Ortszeit (viel früher als auf meinem Ticket, aber ich bin mir nicht ganz sicher, auf welche Zeitzone sich die Angaben bezogen haben) kam ich dann am Incheon International Airport nahe Seoul an.

Pass- und Zollkontrolle verliefen ohne Probleme und kurze Zeit später stand ich dann auch schon mit dem kompletten Gepäck (ja, auch mit meiner Jacke) in der Flughafenhalle.

Da ich leider von der DKB-Bank trotz expliziter Nachfrage zwar meine Kredit- und Girokontokarten sowie meine Online-Banking-Zugänge, nicht jedoch aber die PIN für meine Kreditkarte vor meinem Abflug erhalten hatte, versuchte ich es bei den örtlichen Bankautomaten erst einmal mit meiner Deutschen Bank-Karte, um an Bargeld zu kommen.

Wie ich später herausfand, hat leider die Deutsche Bank grundsätzlich erst einmal das Limit für Abhebungen im Ausland für sämtliche Karten auf Null gesetzt. Man muss diese Funktion erst einmal freischalten, um etwas abheben zu können (auf die Idee, mir das mitzuteilen, als ich das letzte Mal in der Bank war um die Koreanischen Won zu überweisen, ist man natürlich nicht gekommen). Dies habe ich aber auch erst später am Abend nach mühsamen Durchforschen einiger Foren zu diesem Thema herausbekommen. Überhaupt werde ich wahrscheinlich sobald ich nächstes Jahr wieder in Deutschland bin, meine Bank wechseln, da ich mehr und mehr unzufrieden mit ihrem Service bin (erst die Aktion mit der Überweisung in Won, die komplette Unfähigkeit der Bankmitarbeiterin vor Ort, die Unflexibilität des Onlinebankings und dann noch ein Wechselkurs zwischen Euro und Won, beim dem das Wort „Abzocke“ noch nett ausgedrückt ist). Kann mir jemand eine verlässliche Bank mit guten Serviceangeboten und möglichst wenig bis gar keinen Kontoführungsgebühren empfehlen?

Ende vom Lied war, dass ich an keinem der Automaten Geld bekam (und da gibt es wirklich viele Automaten vor Ort, bestimmt mindestens 10 über den Flughafen verteilt). Zum Glück hatte ich noch 50 € in der Tasche, die eigentlich für Essen am Flughafen, Taxi oder sonstige Notfälle gedacht waren. Für die konnte ich dann dort ersteinmal Bargeld wechseln, um erst einmal zu meiner neuen Wohnung zu kommen.

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Der nächste Teil, nämlich meine ersten Erlebnisse in Seoul selbst und meine WG, kommt gleich im Anschluss im nächsten Post, sonst wird mir das hier ein wenig zu viel auf einmal.