Da bin ich mal wieder

Erst einmal: tut mir sehr leid, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen.

Irgendwie fällt mir das mit dem regelmäßig posten doch schwerer als gedacht.

Immernoch prasseln jeden Tag neue Eindrücke auf mich herab, und natürlich versuche ich so viel Seoul-Sightseeing (sowohl die großen Sehenswürdigkeiten als auch die kleinen Gassen und Geschäfte) in meine doch recht eingeschränkte Freizeit hineinzuquetschen wie es geht.

Da ja seit dem letzten Post schon einige Zeit vergangen ist, dachte ich mir, dass ich von meinen bisherigen Erfahrungen am Besten chronologisch berichte, so gut es eben geht.

Montag, 02.08.:

Der erste Tag in meiner ersten Woche in Seoul ging schon recht turbolent los. Nachdem ich zunächst einmal erfolgreich mich zu meinem Büro durchgeschlagen hatte (immerhin eine Stunde Fahrzeit mit der total überfüllten U-Bahn [so wie eigentlich jeden Morgen zwischen 8 und 10] und insgesamt 3-mal Umsteigen), stellte ich mich dort erst einmal vor. Natürlich war mein Boss, dem ich kurz vor meinem Abflug Bescheid gegeben hatte, krank und hatte auch keinen informiert, dass ich denn dann auch tatsächlich am Montag ankommen würde. Das hieß also, keiner wusste so richtig, was man mit mir anfangen sollte. Zunächst wurde ich erst einmal den Kollegen vorgestellt und herumgeführt, außerdem fing man an, Dinge wie zum Beispiel einen Computer und einen Firmenausweis für mich zu organisieren. (ist ja nicht so, als hätte man diese Sachen für mich nicht eh gebraucht und man hätte sich nicht schon den Freitag vorbereiten können, aber wir sind ja jetzt in Asien, da ticken die Uhren manchmal ein wenig anders)

Nachdem man mir also alles gezeigt hatte, geklärt hatte was ich alles noch brauchen würde und mich zum Mittagessen mitgenommen hatte, saß ich also den Rest des Tages ziemlich blöd rum. Ich war natürlich auch zu genau dem richtigen Zeitpunkt gekommen, dem Monatsabschluss, und es hatte keiner Zeit, sich um mich zu kümmern (nicht dass das mittlerweile sich irgendwie geändert hat, Controlling besteht meiner Erfahrung nach bisher hauptsächlich aus Deadlines und Excel-Tabellen-Schieberei). Da ich allerdings an diesem Tag auch noch einen weiteren wichtigen Termin hatte, nämlich meine Miete bei meinem Vermieter abzuliefern (ihr erinnert euch sicherlich, dass das mit dem Überweisen bisher nicht so erfolgreich gewesen war), konnte ich dann bereits auch schon wieder relativ früh gehen.

Der Weg dorthin war allerdings mehr als abenteuerlich. Wie ihr ja sicher schon in meinen vorherigen EInträgen lesen konntet, liebe ich die Seouler U-Bahn. Aus gutem Grund, den Bus fahren in dieser Stadt ist mehr als nur aufregend. Es gibt nirgendwo einen Plan, auf der alle Buslinien verzeichnet sind, da es einfach zu viele gibt und an den Bushaltestellen werden zwar die Haltestellen der jeweiligen Buslinie angegeben, aber leider werden höchstens die großen Stationen wie zum Beispiel Seoul Station in lateinischen Buchstaben angegeben. Wenn man ganz viel Pech hat, nicht einmal das. Außerdem ist es oft so, dass der rote Punkt, der den Standort markiert hat, bereits von irgendwem abgemacht wurde oder einfach mit der Zeit abgegangen ist. Hat man dann trotzdem sich in einen Bus gewagt heißt es sich auf die nächste Festhaltemöglichkeit stürzen und nicht wieder losmachen, denn Busfahrer sind nach den Taxifahrern die schlimmsten Kraftfahrer hier in der Stadt. Ständig wird abrupt abgebremst und im nächsten Augenblick wieder voll Gas gegeben und Verkehrsregeln sind eher Leitfäden als Gesetze, wie mir scheint.

Doch zurück zu meiner kleinen Odysee. Ich hatte mir zuvor die nächste Haltestelle rausgesucht, um zu meinem Vermieter zu kommen und stand dann doch etwa 5 Minuten irgendwie ziemlich ratlos vor einem der Stadtpläne, ohne wirklich weiterzukommen. Ich sah anscheinend so verzweifelt aus, dass sich dann ein junger Mann erbarmt hat und mich fragte, wo ich denn hin wolle. Ich zeigte ihm also die Adresse, die ich intelligenter Weise mitgenommen hatte und da er selbst ein wenig ratlos war, brachte er mich dann am Ende sogar bis vor die Bürotür. (Wofür ich übrigens sehr dankbar war, denn von außen sah das Gebäude ziemlich verschlossen aus und man musste von der Seite aus durch die Garage zum Fahrstuhl, wäre ich alleine nie drauf gekommen) Ja, Koreaner sind wirklich sehr freundlich.

Endlich konnte ich dann also meine Miete bezahlen und hatte also meinen Schlafplatz für den nächsten Monat sicher. 🙂

Dienstag, 03.09.

Nachdem ich also den Montag ein wenig orientierungslos durch Seoul gelaufen war, hatte ich mich am nächsten Tag entschlossen, mich ein wenig in meiner direkten Nachbarschaft umzusehen. Es gibt ein Dunkin Donuts, einen Supermarkt, einen 24 Stunden geöffneten Laden, der diverse Lebensmittel und Getränke anbietet, ein paar Friseure und unzählige kleine Läden, die Essen oder Klamotten anbieten. Für Seoul heißt das: wir befinden uns hier in einem kleinen, unbedeutenen und etwas ärmlicheren Viertel. Zu meiner Freude entdeckte ich allerdings gleichzeitig, dass sich, wenn man die Straße von meinem Apartementgebäude hinunterläuft, ein kleiner Fluss befindet, auf dessen einer Uferseite sich Radfahrer, und auf der anderen Uferseite Fußgänger aufhalten dürfen.

Da ich mir mittlerweile ein wenig Sorgen um meine Pölsterchen and den Seiten machte, mit den ganzen Nudeln, Reis und Fleisch und so, entschloss ich mich, die Strecke dann auch gleich einmal mit meinen Laufschuhen zu ergründen. Wie ich feststellen konnte, eignet sich die Strecke hervorragend zum Laufen (wenn man keine Lust mehr hat, kann man einfach wieder umdrehen und abends ist es wegen des Wassers angenehm kühl), allerdings scheine nicht nur ich das Flüsschen für solche Zwecke zu mögen. Es kommen einem unzählige Leute entgegen, die entweder einen Spaziergang machen. walken oder sich einfach ans Flussufer setzen und plaudern. Außerdem scheint es ein sehr beliebter Ort für Päärchen zu sein, um Händchen zu halten.

Mittwoch, 04.09.

Am Mittwoch hatten meine Mädels aus meinem Apartement eine kleine Willkommensfeier organisiert. Es gab sehr leckeres Hähnchen und eines der Mädchen, Jen, hatte sogar ein Gericht mit Reis, Thunfisch und allerlei anderen Dingen gezaubert.

WG-Party 2

Außerdem durfte ich koreanisches Bier (ganz ok, aber deutsches ist mir lieber) und Soju probieren. Soju ist ein traditionelles koreanisches Getränk aus Reis, Weizen und Gerste und enthält zwischen 16 und 45% Alkohol. Man kann es am besten mit Vodka vergleichen und da es ziemlich billig ist (1 bis 3 Euro die 375 ml Flasche) gehört es hier zu den beliebtesten alkoholischen Getränken in Korea. Um ehrlich zu sein, mir schmeckt es nicht so wirklich, da es nicht sehr süß ist, aber wenn man eines machen muss, wenn man in Korea ist, ist das Soju probieren.
soju

Donnerstag, 05.09.

Am nächsten Tag ging es dann auch gleich weiter mit den traditionellen koreanischen Gepflogenheiten. Nachdem bisher auf der Arbeit nichts wirklich spannendes passiert war, stand an diesem Tag für das Mittagessen ausnahmsweise (wahrscheinlich extra für mich und meine anderen ausländischen Kollegen) Bibimbap auf dem Speiseplan.. äh, auf der Karte.

Bibimbap ist ebenfalls ein original koreanisches Gericht und heißt eigentlich so etwas wie „gemischter Reis“. Dafür wird Reis in eine warme Schüssel gefüllt, ein wenig Brühe dazugegeben und das Ganze mit verschiedensten Gemüsesorten bedeckt. Häufig wird ein (entweder rohes,gekochtes oder gebratenes) Ei und Fleisch (meist RInd) dazugeben. Außerdem wird eine Chilipaste dazugereicht, mit der man nach Belieben würzen kann.

Bibimbap

WIe eigentlich immer in koreanischen Restaurents gab es dazu dann noch eine Suppe, eingelegtes Relish (meist recht scharf), Sojasprossen, und natürlich Kimchi, das Nationalgericht Koreas, ohne das geht wirklich gar nichts.

Traditional Sidedishes

Samstag, 07.09.

Nachdem am Freitag nichts wirklich Spannendes passiert ist, und ich mich hauptsächlich von der doch recht anstrenden Woche erholt hatte, mache ich dann gleich mal mit dem Samstag weiter.

Samstag hatte ich mir das Viertel Itaewon vorgenommen, das „Ausländerviertel“ von Seoul. Bedingt dadurch, dass dort der große US-Army Stützpunkt lokalisiert ist und dazu noch eine sehr große Auswahl an internationalen Restaurants und dem Hilton Hotel fühlen sich viele Ausländer recht wohl in diesem Viertel. Dies wurde vor allem ab 1988 durch die Olympischen Spiele begünstigt, als mehr als 2000 Geschäfte sich vor allem den Bedürfnissen der Touristen widmeten

Außerdem ist hier eines der etwa 3 Viertel, in den das Nachtleben tobt. Zudem ist hier der einzige Ort, an dem es neben dem im Volksmund als Hooker-Hill (zu deutsch etwa Huren-Hügel) bekannten Hügel auch den sogenannten  Homo-Hill gibt (dazu muss man wissen, dass Homosexualität in Korea ein absolutes Tabuthema ist und Homosexuelle konsequent aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden).

Ich persönlich muss sagen, dass ich ungern wieder alleine dort hingehen werde. Da die Koreaner alle sehr zurückhaltend und höflich sind, war es dann eine doch eher unangenehme Überraschung, als mich ein mindestens 50 jähriger Ausländer zunächst fragte, ob ich den Englisch sprechen würde und wo ich denn her käme (was ja noch ganz nett war), und mich gleich darauf erst auf einen Kaffee und dann auf sein Zimmer einlud. Nachdem ich doch ein wenig verdattert vehemend ablehnte, hatte der Kerl doch ehrlich die Dreistigkeit zu erwidern „ist ja nur für eine halbe Stunde oder so“. Ich musste ihn erst mit deutlichen Worten und einem doch recht energischem Auftreten klarmachen, dass ich kein Interesse an seinem Angebot hatte.

Nachdem mich dann der nächste Kerl (ebenfalls offentsichtlich ein Ausländer) auf einen Kaffee einladen wollte, floh ich dann mehr oder weniger eilig aus dem Viertel und beendete für diesen Tag meine Sightseeing-Tour.

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2 Kommentare zu “Da bin ich mal wieder

  1. hach süße, du bist schon niedlich manchmal. und schön, dass dir das mit dem regelmäßig posten auch auffällt, dass ist so fernab nämlich immer so die sache. : )

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